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Kryptowährungen in der Steuererklärung und Anti-Geldwäsche-Richtinien

Der 30. April ist der Stichtag, an dem die Einreichfrist für die Steuererklärung des Steuerjahres 2017 in Österreich ausläuft. Bei elektronischer Übermittlung über Finanzonline hat man bis 30. Juni Zeit; wer sich eine steuerliche Vertretung dazu holt, in der Regel auch länger. 

Keine Steuern zu zahlen und dem Thema wenig bis gar keine Relevanz zu schenken birgt auf lange Sicht ein sehr hohes Risiko. Denn vergangene Gerichtsverfahren zur Übergabe von Nutzerdaten bekannter Krypto-Börsen, wie z.B. 13.000 Coinbase-Accounts an die US-Steuerbehörde (IRS), haben gezeigt, dass behördliche Institutionen sich dieses Stück vom Kuchen nicht nehmen lassen werden. Während der österreichische Finanzminister ein breit gefächertes Advisory-Board zum Thema Kryptowährungen berufen hat, gibt es mit der kommenden 5. EU-Anti-Geldwäscherichtlinie einen ersten großen Schritt zur stärkeren Regulierung innerhalb der EU.

Wesentliche Neuerung ist, dass “virtuelle Währungen” und “elektronische Geldbörsen” (Wallets) künftig den Bestimmung der Geldwäscherichtlinie unterworfen werden. Tauschbörsen (Exchanges), welche den Austausch virtueller Währungen gegen gesetzliche Zahlungsmittel anbieten, fallen demnach künftig unter den Anwendungsbereich der Geldwäscherichtlinie. Demnach soll klar sichergestellt werden, dass Exchanges und Wallet-Anbieter den Sorgfaltspflichten gegenüber Kunden unterliegen und dazu beitragen, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu bekämpfen. Zudem soll gewährleistet werden, dass Nutzer von Kryptowährungen leichter identifiziert werden können.

Wie betrifft mich das als Privatperson oder Gewerbetreibender?

Die 5. Geldwäscherichtlinie betrifft in erster Linie die Finanzinstitute, Wertpapierfirmen, Investmentfonds, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, Notare und Anwälte, usw. soweit sie Zahlungen in Höhe von EUR 10.000,- oder mehr in bar tätigen oder entgegen nehmen. Addieren sich kleinere Beträge von gleichen Ausgangskonten, so werden diese laufend zusammengefasst. Neu verpflichtet werden nun eben auch Tauschbörsen für virtuelle Währungen und Wallet-Anbieter. 

Demnach hat man bspw. als Finanzinstitut die Sorgfaltspflicht, diese entsprechenden Zahlungseingänge hinsichtlich Herkunft und Versteuerung zu verifizieren. Als Nutzer von virtuellen Währungen bin ich wiederum verpflichtet mich zu identifizieren und die entsprechende Dokumentation und den Nachweis der Mittelherkunft zu erbringen. 

Welche Informationen sind für einen eventuellen Nachweis der Mittelherkunft wichtig?

  • Anschaffungsdatum und -zeit des Coins/Tokens
  • Anschaffungskurs zum Zeitpunkt des Kaufs (Durchschnittlicher Marktwert – z.B. Coinmarketcap – oder genauer Kurswert der jeweiligen Börse)
  • Genaue Menge 
  • Börse bzw. Plattform über die der Coin/Token erworben wurde 
  • Veräußerungsdatum und -zeit
  • Veräußerungskurs zum Zeitpunkt des Verkaufs (Durchschnittlicher Marktwert – z.B. Coinmarketcap – oder genauer Kurswert der jeweiligen Börse)
  • Berechnungsmethode (In Österreich ist FIFO Standard und Pflicht, sofern Anschaffungszeitpunkt und -kosten nicht lückenlos dokumentiert sind.)

Wie funktioniert das Erfassen in der Steuererklärung?

Als erstes gilt es, sich einen Überblick aller vergangenen Transaktionen zu verschaffen. Auch Einkäufe/Verkäufe, die vor dem schlagenden Steuerjahr passiert sind, haben eventuell Auswirkungen auf die korrekte Berechnung. (Auf welchen Börsen wurde gehandelt? Wann haben Ein- und Auszahlungen stattgefunden? Welche Berechnungsmethode ist zu verwenden?)

Danach gibt es mehrere Möglichkeiten: Einerseits kann man manuell alle Transaktionshistorien von jeder genutzten Börse herunterladen und Wallet Ein- und Ausgänge notieren, um damit zum Steuerberater zu gehen. Dies bringt sehr wahrscheinlich einen hohen Zeitaufwand zur korrekten manuellen Berechnung und dementsprechende Kosten mit sich. Jedoch gibt es bereits Tools (zB. www.blockpit.io), welche es ermöglichen, die Transaktionen von den großen Exchanges automatisiert einzulesen und sich einen Report samt Steuerberechnung ausgeben zu lassen. Das spart nicht nur Zeit, sondern aufgrund der zusammengefassten und optimierten Aufbereitung aller Transaktionen, auch Kosten, falls im weiteren Schritt noch zusätzlich ein Steuerberater herangezogen wird.

 Jedenfalls gilt es eine zulässige Berechnungsmethode zu wählen. In Österreich ist First-in-first-out Methode (FIFO) Pflicht, wenn keine komplette Dokumentation aller Transaktionen gegeben ist. Ist dies doch der Fall, kann frei zugeordnet werden, welche Tranche eines Coins wann verkauft wurde. Verluste aus Veräußerungen durch Kryptowährungen können direkt mit den Gewinnen gegengerechnet werden. Achtung: Nur mit Gewinnen aus Kryptowährungen! Nicht mit Aktiengewinnen, etc.

Für welche Variante man sich auch entscheidet, der letzte Schritt ist es, seine Steuererklärung entweder in Papierform, online oder mit einem Steuerberater gemeinsam beim Finanzamt einzureichen.

Warum ist die Dokumentation von Transaktionen so wichtig?

Zum einen natürlich aufgrund der korrekten Steuerberechnung, denn die Verjährungsfrist beträgt hier 5 Jahre. Im Verdachtsfall bei Steuerhinterziehung kann sogar 10 Jahre rückwirkend ermittelt werden und es drohen bereits bei kleineren Beträgen satte Gefängnisstrafen. Das Cyber Crime Competence Center (C4) führt bereits eine wachsende Abteilung für Blockchain-Tracing, welche auffällige Transaktionen zurückverfolgt. Wer also keine lückenlose Transaktionshistorie aufzeigen kann, wird auch Probleme haben, diese für eine plausible Erklärung der Gewinne heranzuziehen. 

Ein weiterer Punkt ist die zukünftige Problematik beim Auszahlen von Kryptowährungen auf ein Bankkonto. Bin ich als Nutzer/Bank-Kunde nicht in der Lage die Mittelherkunft zu bezeugen, muss die Einzahlung vom Finanzinstitut abgelehnt werden und ein Hinweis wird an die Steuerbehörden weitergereicht. Ein “Auszahlen” von Kryptowährunsgewinnen ab einer gewissen Höhe wird daher nur mit einer entsprechenden Dokumentation möglich sein.

 

Florian Wimmer

CEO, Co – Founder Blockpit 

 

Photo by Mark Finn

By | 2018-04-10T11:07:22+00:00 April 10th, 2018|Categories: Allgemein|0 Comments

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